Ich
bin
Mich haben Fragen schon immer weitergebracht als fertige Antworten.
Fragen danach, woher wir kommen, was uns prägt und was durch uns weitergeht.
Diese Seite erzählt nicht meine Arbeit. Sie erzählt ein Stück von mir.
Woher wir kommen, prägt uns. Aber es bestimmt nicht allein, wer wir sind.
Schon früh wollte ich verstehen, was hinter Dingen steckt. Warum Menschen denken, wie sie denken. Warum Traditionen entstehen. Warum wir an etwas glauben. Und warum manches von Generation zu Generation weitergegeben wird.
Was war. Was ist. Was sein wird.
Was war.
Meine Geschichte beginnt nicht bei mir.
Meine Großväter kamen als Gastarbeiter nach Deutschland. Meine Eltern wurden in der Türkei geboren und kamen durch ihre Väter hierher. Hier entstand schließlich die Familie, in die ich hineingeboren wurde.
Und irgendwann begann ich mich zu fragen:
Wo beginnt eigentlich meine Geschichte?
Bei meinen Eltern? Bei meinen Großeltern? In der Türkei? In Deutschland? Oder viel früher?
Ich war schon als Kind neugierig. Vielleicht auch ein bisschen rebellisch. Ich war nie besonders gut darin, Dinge einfach deshalb hinzunehmen, weil sie eben so waren.
Ich wollte wissen. Und meistens reichte mir eine Antwort nicht lange.
Warum?
Und wenn ich eine Antwort bekommen hatte:
Aber warum ist das so?
Ich wollte verstehen, was hinter Dingen steckt. Warum Menschen denken, wie sie denken. Warum wir bestimmte Dinge tun. Warum etwas richtig oder falsch sein soll. Warum wir an etwas glauben. Warum Traditionen entstehen. Und warum manches von Generation zu Generation weitergegeben wird.
Auch die Religion, mit der ich aufgewachsen bin, hat viele dieser Fragen in mir ausgelöst.
Ich habe gelesen, gelernt, hinterfragt und versucht, mir meine eigene Meinung zu bilden. Dafür bin ich besonders meinem Vater dankbar. Er hat mein Fragen nicht klein gemacht.
Eine Frage muss nicht gegen etwas gerichtet sein. Manchmal ist sie einfach der Anfang davon, etwas wirklich verstehen zu wollen.
Auch meine Großmütter haben mich tief geprägt. Sie hatten keine schulische Bildung, konnten nicht lesen und schreiben – und trotzdem besaßen sie ein Wissen, das mich bis heute fasziniert.
Was bedeutet eigentlich Bildung?
Ist Wissen nur das, was wir in der Schule lernen? Oder gibt es auch ein Wissen, das über Erfahrung, Beobachtung und Weitergabe von Generation zu Generation entsteht?
Vielleicht ist genau deshalb auch meine Herkunft für mich irgendwann mehr geworden als die Antwort auf die Frage, aus welchem Land meine Familie kommt.
Bin ich Deutsche?
Bin ich Türkin?
Kann ich beides sein?
Muss ich mich überhaupt entscheiden?
Und was bedeutet eigentlich Heimat? Ist Heimat ein Land? Eine Sprache? Eine Familie? Eine Erinnerung? Oder vielleicht etwas, das wir in uns tragen?
Wer war vor ihnen?
Wer waren diese Menschen? Woher kamen sie? Wie haben sie gelebt? Was haben sie erlebt? Was haben sie verloren? Was haben sie bewahrt?
Für mich wurde dadurch etwas sichtbar: Herkunft ist selten so eindeutig, wie ein Eintrag in einem Pass oder ein Punkt auf einer Landkarte vermuten lässt.
Was hat mich geprägt?
Was trage ich in mir?
Was davon möchte ich verstehen?
Und was davon möchte ich eines Tages weitergeben?
Das hier ist erst einmal die Geschichte davon, woher ich komme.
Was ist.
Wer bin ich, wenn ich nicht mehr nur danach frage, woher ich komme?
Vielleicht beginnt genau hier mein Heute.
Ich bin noch immer neugierig. Vielleicht sogar mehr als früher.
Ich möchte Menschen kennenlernen, Geschichten hören, andere Kulturen verstehen, Länder sehen und immer wieder erfahren, wie unterschiedlich Leben aussehen kann.
Ich liebe es zu reisen. Nicht nur, um neue Orte zu sehen.
Mich fasziniert, wie Menschen leben. Was sie glauben. Was ihnen wichtig ist. Wie sie feiern. Wie sie trauern. Welche Geschichten sie erzählen. Und welches Wissen sie bewahren.
Vielleicht ist Reisen für mich deshalb immer auch Begegnung.
Mit anderen Menschen. Mit anderen Lebensweisen. Und manchmal auch mit Seiten von mir selbst, die im Gewohnten kaum sichtbar werden.
Ich glaube, eine meiner stärksten Eigenschaften war schon immer meine Lebensfreude.
Was gibt es noch zu entdecken?
Was kann ich noch verstehen?
Was kenne ich noch nicht?
Heute gestalte ich mein Leben selbst. Und Freiheit bedeutet für mich inzwischen viel mehr, als einfach tun zu können, was ich möchte.
Was gehört zu mir?
Was möchte ich behalten?
Was möchte ich verändern?
Was möchte ich weitergeben?
Und was lasse ich bei mir enden?
Ich kann entscheiden, was aus dem wird, was mich geprägt hat.
Ich liebe meinen Alltag mit meinen Kindern. Nicht nur die besonderen Momente. Gerade auch das ganz Normale.
Gemeinsam leben. Reden. Lachen. Streiten. Fragen beantworten. Neue Fragen entstehen lassen.
Auch die Natur gehört für mich zu meinem Heute. Vielleicht, weil sie mich mit etwas verbindet, das viel älter ist als ich.
Ich suche nicht mehr unbedingt nach der einen richtigen Antwort. Mich interessieren Zusammenhänge, unterschiedliche Perspektiven, Wissenschaft, Erfahrung und das, was Generationen weitergeben.
Ich bin Tochter.
Schwester.
Ehefrau.
Mutter.
Freundin.
Und vieles mehr.
Aber keine dieser Rollen allein ist die Antwort auf die Frage, wer ich bin.
Heute bin ich nicht die Antwort auf alle Fragen, die ich mir früher gestellt habe.
Ich bin Canan.
Was sein wird.
Ich weiß nicht, was sein wird. Aber ich kann entscheiden, was ich weitergeben möchte.
Mit meinem Mann habe ich erfahren, was es bedeutet, Mutter zu werden.
Plötzlich war da nicht mehr nur mein eigenes Leben.
Da waren kleine Menschen, die auf uns angewiesen waren. Menschen, für die ich Verantwortung trage. Menschen, die ihre ersten Erfahrungen mit Liebe, Sicherheit, Vertrauen und Zugehörigkeit durch uns machen.
Was möchte ich von mir weitergeben?
Was wünsche ich mir für meine Kinder?
Was sollen sie eines Tages in sich tragen?
Meine Antwort darauf ist eigentlich ganz einfach:
Ich wünsche mir, dass sie glücklich sind.
Mir ging es gut.
Ich war geliebt.
Ich wusste, dass meine Eltern mich lieben –
bedingungslos.
Du hast deinen Platz.
Nicht, weil du ihn dir verdient hast. Nicht, weil du etwas Besonderes leisten musst. Nicht, weil du Erwartungen erfüllst. Sondern einfach, weil du da bist.
Ich wünsche mir, dass meine Kinder mit Liebe durch diese Welt gehen.
Bei uns zu Hause soll es keine Fragen geben, die man nicht stellen darf.
Wir sprechen über das Leben. Über Dinge, die schön sind. Über Dinge, die schwierig sind. Über Angst. Über Verlust. Über Sterben. Über den Tod.
Was passiert eigentlich mit einem Menschen, wenn er stirbt?
Ein Mensch verschwindet nicht einfach, solange wir uns an ihn erinnern.
Wenn wir von ihm erzählen, Geschichten weitergeben und Erinnerungen wieder lebendig machen, dann trägt etwas von diesem Menschen weiter.
In unserem Herzen.
In unseren Erinnerungen.
In unseren Geschichten.
Ich habe an euch gedacht, lange bevor ihr da wart.
Was möchte ich hinterlassen?
Nicht in Form von Dingen. Sondern in Form von Erinnerungen. Von Geschichten. Von Liebe. Von Haltung. Von Wissen.
Dass Liebe Erinnerung werden kann.
Was wird eines Tages von uns erzählt werden?
Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, was ich heute dafür mitgeben möchte.
Wenn ich auf meinen bisherigen Weg zurückblicke, empfinde ich vor allem
Dankbarkeit.
Für die Menschen, aus deren Geschichte meine entstanden ist.
Für die Menschen, die lange vor mir gelebt haben und deren Leben dazu geführt hat, dass ich heute hier bin.
Für meine Ahnen – auch für diejenigen, deren Namen und Geschichten ich vielleicht niemals kennen werde.
Und ganz besonders für meine Familie.
Für meine Eltern.
Für das Leben, das sie mir gegeben haben.
Für das, was sie mir mitgegeben haben –
bewusst und unbewusst.
Für Werte, Erinnerungen, Traditionen
und all das, was meine Kindheit geprägt hat.
Heute weiß ich, dass wir unsere Eltern irgendwann nicht mehr nur als Eltern betrachten.
Wir beginnen, sie auch als Menschen zu sehen.
Menschen mit einer eigenen Geschichte.
Mit eigenen Eltern.
Eigenen Erfahrungen.
Eigenen Hoffnungen, Ängsten und Prägungen.
Und vielleicht verändert sich dadurch auch die Frage:
Was habe ich von ihnen bekommen – und was davon möchte ich auf meine eigene Weise weitertragen?
Ich bin dankbar für meine Geschwister.
Für die Menschen, mit denen ich einen Teil meiner Kindheit geteilt habe.
Für gemeinsame Erinnerungen, für Nähe, Reibung, Unterschiede, Zusammenhalt – und für all das, was Geschwister voneinander lernen, oft ohne es überhaupt zu bemerken.
Sie gehören zu meiner Geschichte.
Zu dem Ort, aus dem ich komme.
Und sie gehören bis heute zu meinem Leben.
Für Liebe, Familie und gemeinsames Wachsen.
Ich bin dankbar für meinen Mann.
Meinen Lebenspartner, meinen besten Freund und meinen Seelenfreund.
Für den Menschen, mit dem ich Familie erleben durfte.
Mit dem ich erfahren durfte, Mutter zu sein.
Und bei dem Gedanken Raum haben dürfen.
Gedanken darüber, wer ich bin.
Woher ich komme.
Und was ich eines Tages weitergeben möchte.
Danke für die Nähe, für das gemeinsame Wachsen und dafür, dass ich bei dir auch dann laut denken darf, wenn ich die Antwort selbst noch nicht kenne.
Ich bin dankbar für meine Kinder.
Denn durch sie hat sich mein Blick nach vorne verändert.
Sie haben aus der Frage
„Wer bin ich?“
irgendwann auch die Frage werden lassen:
„Was hinterlasse ich?“
Nicht irgendwann.
Sondern heute.
Jeden Tag.
In dem, was ich sage.
In dem, was ich vorlebe.
In dem, was ich bewahre.
Und in dem, was ich vielleicht bewusst verändere.
Für die Menschen, die ein Stück meines Weges mit mir gegangen sind.
Und ich bin dankbar für die Menschen, denen ich in meinem Leben begegnet bin.
Für diejenigen, die mich seit vielen Jahren begleiten.
Für Freundschaften, Lehrer, Weggefährten und Menschen, die mir etwas gezeigt haben, das ich vorher noch nicht sehen konnte.
Für diejenigen, die geblieben sind.
Für diejenigen, die nur ein Stück meines Weges mit mir gegangen sind.
Und auch für Begegnungen, die schwierig waren.
Denn nicht jede wichtige Begegnung fühlt sich im ersten Moment wie ein Geschenk an.
Manche Menschen hinterlassen Nähe.
Manche eine Erinnerung.
Manche eine Erkenntnis.
Manche eine Grenze.
Manche eine Frage.
Und manche verändern unseren Weg, ohne selbst darauf weiterzugehen.
Sie alle sind auf unterschiedliche Weise Teil der Frau geworden, die heute hier steht.
Du trägst das Licht bereits in dir.